Heinz Liedtke ist der Geschäftsführer der Organisation Esprix Schweiz. Der
PUNKT wollte von ihm erfahren, wie die diesjährige Preisvergabe aus dem
Blickwinkel der Organisatoren beurteilt wird und welche Erfahrungen aus
den bisherigen Durchführungen gemacht wurden. Herr Liedtke,
die Preisverleihung des Esprix ist mit dem Seminarmorgen und dem anschliessenden
Festakt im Kongresszentrum Luzern über die Bühne gegangen. Sind Sie mit
dem Anlass zufrieden?
Ich bin über das grosse Interesse erfreut. Wir konnten rund 800 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer am Tag der Preisverleihung willkommen heissen. Auch das Niveau
war beachtlich. Die überwiegende Zahl waren Leute aus der Geschäftsleitung
oder dem oberen Kader. Wie sind die Erfahrungen, die Ihre
Assessoren in diesem Jahr in den Firmen gemacht haben?
Wie schon letztes Jahr wurden sie erwartungsvoll willkommen geheissen. Natürlich
liegt bei Vorort-Untersuchungen, die übrigens nur bei potentiellen Finalisten
gemacht werden, eine gewisse Erwartung und Nervosität in der Luft. Alle
Bewerber waren aber durchwegs offen und sehr daran interessiert, vom Besuch
der Assessoren so viel wie möglich zu lernen. Der Esprix
steht nun vor seiner dritten Auflage. Gibt es aus Ihrer eigenen Sicht Schwachpunkte
für die Sie Handlungsbedarf sehen? Beispielsweise im Konzept oder im Umgang
mit den Teilnehmern.
Selbstverständlich wollen auch wir uns kontinuierlich verbessern. Aus diesem
Grund machen wir bei allen Bewerbern nach Abschluss des Wettbewerbszyklus
jeweils eine Umfrage. Letztes Jahr war die Zufriedenheit bereits sehr hoch,
und die Empfehlungen wurden als wertvoll und gut beurteilt. Aber wir haben
letztes Jahr gelernt, dass wir nach Vorliegen der Juryentscheide unsere
Bewerber schneller informieren müssen. Das haben wir dieses Jahr berücksichtigt
und innerhalb eines Tages allen Beteiligten Bescheid gegeben. Beim Konzept
halten wir uns zu 100 Prozent an das EFQM-Modell. Da wollen wir voll europakompatibel
sein. Was sollte ein Klein- oder Mittelbetrieb für Voraussetzungen
bringen, damit eine Teilnahme am Esprix realistisch ist?
Voraussetzung ist, dass die Unternehmensleitung bereits nach einem Qualitätsführungssystem
lebt und die vom Excellencemodell geforderten Ergebnisse mindestens teilweise
aufweisen kann. Dabei kann z.B. ein funktionierendes und positive Resultate
generierendes System nach ISO 9001 schon eine gute Basis sein.
Wie ermutigen Sie Unternehmen, am Esprix teilzunehmen?
Entscheidend ist nicht, dass man voraussichtlich einen Preis gewinnen wird.
Viel wichtiger ist es, dass man durch die Teilnahme einen grossen Fortschrittsschub
erwarten kann. Die von erfahrenen Assessoren in einem Feedbackreport zusammengestellten
Verbesserungsbereiche sind der eigentliche Wert der Übung. Viele Preisträger
auch solche des europäischen Qualitätspreises haben sich mehrmals
beworben und die Teilnahme als eigentlichen «Fortschrittsturbo» bezeichnet.
Die Erfahrung exzellenter Firmen zeigt auch, dass die Teilnahme einen erstaunlichen
Motivationseffekt bei den Mitarbeitenden zur Folge hatte. Ich möchte deshalb
alle Unternehmen, die auf der oben erwähnten Basis arbeiten, ermuntern,
sich über das Excellencemodell zu informieren und teilzunehmen.
Wie diese Hürde - offensichtlich bravourös - genommen wurde, schilderte
Christian Hunziker den Zuhörern im grossen Saal des Kongresszentrums anschaulich
und mit humorvollem Realismus. Er erinnerte auch daran, dass ein jedes Unternehmen,
und sei es auch noch so klein, stets eine grosse soziale Verantwortung trage,
dem Einzelnen wie auch der Gesellschaft gegenüber. Sein Referat wurde mit
grossem Applaus bedacht.
Quelle: Auszug aus PUNKT, mit freundlicher Genehmigung der
Firma Hunziker + Co, Winterthur, April 2000
 |